Gewöhnliche Nachtkerze

 

  

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Lateinischer Name                Oenothera biennis
Pflanzenfamilie                 

Nachtkerzengewächse

Onagraceae

Andere Namen

Abendblume, Nachtstern, Nachtlicht, Schinkenwurz

Rapontika ( Goethe)

Erkennungsmerkmale     

2jährige Pflanze mit kräftigen, fleischigen Pfahlwurzeln

im 1. Wuchsjahr: nur Blattbildung, die aussieht wie eine flach am Boden liegende Blattrosette, Blätter sind hier verkehrt eiförmig, länglich spitz, leicht behaart, hell bis mittelgrün, teilweise sind sie rötlich  überlaufen, Blattrand und Mittelnerv erscheint meist auch rötlich

im 2. Wuchsjahr: Ausbildung des aufrechten, meist 80-150cm hohem, dicht bis spärlich behaartem Stängel ( auch oft rötlich überlaufen) . An diesem wachsen die länglich-lanzettlichen bis zugespitzten Blätter wechselständig und nur noch kurz gestielt. Die Blätter werden im oberen Bereich kleiner und sitzen direkt am Stängel. Der Blattrand ist schwach gezähnt, manchmal ganzrandig, aber meist wellig geformt. Die 4 leuchtend gelben Blütenblätter stehen in der Achsel eines Tragblattes im aufrechten, traubigen Blütenstand.

Die Kelchblätter sind zurückgeschlagen und aus der Blüte entwickelt sich eine bis 4cm lange, raue, schmale, zunächst grüne und später ockerfarbene Samenkapsel, welche am langgestreckten Blütenstand von unten nach oben reif wird.

Die Samen sind ca. 1-2 mm groß, dunkel und kantig.

Durch ihren Flügelsaum können diese Samen leicht vom Wind verbreitet werden.

Das Öffnen der Blüte dauert nur wenige Minuten in der Abenddämmerung, erst bei vollständiger Öffnung der Blüte strömt ein intensiver, süßlicher Geruch heraus. Dadurch werden Nachtfalter und am folgenden Tag Bienen, Hummeln und Tagfalter  angelockt. Jedoch beginnt am Morgen schon das Welken der  Blüten. Aber schon am Abend eröffnen sich am kerzenartigen Blütenstand die nächsten "Lichter". Dieses, besonders für Kinder sehr schön anzuschauende Schauspiel, begleitet uns dann den ganzen Sommer über.

Jede Pflanze kann bis zu 120 Blüten hervorbringen- ein echter Dauerblüher. Pro Blüte werden bis zu 200 Samen in den zahlreichen Kapselfrüchten produziert, woraus das wertvolle  Nachtkerzenöl gewonnen wird.

Erntemonate                    

Wurzel der einjährigen Pflanze Oktober - März

Blätter April - Juni

Blüten Juni - September

Samen August - Oktober

Verwendbare Pflanzenteile     Wurzeln, Blätter, Blüten, Knospenblüten, Samen
Vorkommen                    

an sonnigen eher trockenen Standorten wie Böschungen, Wegrändern, Bahndämmen Schuttplätzen, Stein- und Kiesgruben 

gedeiht auch auf harten Lehmböden und kann auch lange Trockenperioden gut aushalten

Verwechslungsgefahr     

Rotkelchige Nachtkerze (O. glazioviana)

Kleinblütige Nachtkerze (O. parviflora)

Beide können genauso verwendet werden.

Besondere Inhaltsstoffe     

 

In den Samen steckt das wertvolle Nachtkerzenöl mit einem sehr hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die lebenswichtig sind für das Wachstum und die Entwicklung von Gehirn und Nerven.

60-80% Linolsäure

8-14% seltene Gamma-Linolen Säure (ist eine Omega 6-Fettsäure)

Blätter: Flavonoide, Schleim- und Gerbstoffe

Wurzel: Stärke, Eiweiß und Mineralstoffe

Nachtkerzenöl enthält PHYTOHORMONE, daher sollten Schwangere und Stillende Rücksprache mit ihrem Arzt halten.

Eigenschaften

 entzündungshemmend, nervenstärkend,  

 unterstützt die Neubildung und Reparatur von Gewebe und  Schleimhäuten 

Naturheilkundliche Anwendung

innerlich und äußerlich bei Hautkrankheiten wie Neurodermitis, Ekzemen, Schuppenflechte, bei entzündeter, trockener und alternder Haut, Nervennahrung pur (hervorragendes Anti-Stress-Mittel), kann bei Asthma und Allergien entgegenwirken (überschießende Reaktionen des Immunsystems), 

Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin, Arteriosklerose, Herz-, Kreislauf Erkrankungen, rheumatische Symptome,

Hyperaktivität (ADHS) und bei hormonell bedingten Beschwerden der Frau

Zubereitung: 
 

 

Die nach Mangold schmeckenden Blätter (vor der Blüte) als Suppe oder Spinat zubereiten. Junge Blütenstängel geschält roh essen oder dünsten. Knospen und Blüten über Salat gestreut sind eine Delikatesse. Blüten als mild-süßlichen Tee aufbrühen (zwischen 19 und 20 Uhr sind sie am aromareichsten). Samen über Müsli, Salat, Suppe oder aufs Butterbrot streuen und gründlich kauen, damit der Körper sie besser aufschließen kann. Die geschmacklich an Schwarzwurzel erinnernde Wurzel (im Herbst des 1. Standjahres geerntet) als Gemüse, in Suppen oder geraspelt im Salat.
Wissenswertes:Johann Wolfgang von Goethe schätzte Gerichte mit Rapontika. Seine Frau Christiane baute Nachtkerzen im Garten extra dafür an.
Rezept:

Nachtkerzenwurzeln lassen sich wie Schwarzwurzel zubereiten., schmecken roh und gekocht als klein geschnittene "Schinkenwürfel" in verschiedenen Gerichten

                              ODER

Anwendung bei Neurodermitis: 10 ml Nachtkerzenöl mit 10 ml Sahne mischen in 36-38° warmes Badewasser geben und 15 min darin baden.

Als Nahrungsergänzung bei Menstruationsbeschwerden : 2 TL Nachtkerzensamenöl tägl. pur als Zutat in Salate, Dressings, Quark oder Joghurt. 

 Quelle:Dr. Markus Strauß Natur & Genuss Die 12 essbaren Pionierpflanzen, Das große Handbuch Klosterheilkunde (Dr. Mayer, Dr. Uehleke und Pater Saum), Unsere Heilkräuter (Kosmos, Dr. Ursula Stumpf), Unsere essbaren Wildpflanzen (Kosmos, Rudi Beiser), Wildes Oederan e. V.